Gibt es den perfekten Discord Ersatz?

Auf der Suche nach einer Discord-Alternative

Discord hat sich in den vergangenen Jahren zur Standardplattform für Gaming-Communities entwickelt. Voice-Channels, Text-Chats, Rollen, Events und besonders eine niedrige Einstiegshürde für Community Admins machen es für viele Gruppen zur naheliegenden Wahl.

Doch nicht jeder möchte seine Community vollständig von Discord abhängig machen. Datenschutzbedenken, Plattformkontrolle, fehlende Selbstbestimmung oder schlicht die Sorge, dass sich Bedingungen jederzeit ändern können, führen uns, wie viele Communities, auf die Suche nach Alternativen.

Dabei zeigt sich schnell ein Muster: Wer eine Discord-Alternative ohne eigenen Hosting-Aufwand sucht, findet nur wenige überzeugende Optionen. Wer dagegen bereit ist, selbst zu hosten oder zumindest etwas zu basteln, hat deutlich mehr Auswahl, muss dafür aber andere Kompromisse eingehen.

Funktionsparität

Bei Vergleichen von Discord-Alternativen wird häufig auf Funktionen geschaut, die Discord schon bietet: Voice-Chat, Rollen, mobile Apps oder Bildschirmübertragung. Und da gibt es einen Grund, weshalb Discord die Plattform ist, die „Online Community“ in den letzten zehn Jahren revolutioniert hat.

Langlebigkeit

Für Communities, die über Jahre bestehen sollen, ist spätestens seit Discords unpopulären Änderungen klar: Über die langfristige Verfügbarkeit und eigene Kontrolle müssen wir uns zumindest Gedanken machen.

Eine Plattform kann heute wie ein perfekter Discord-Klon wirken und trotzdem in wenigen Monaten verschwunden sein. All diese Faktoren entscheiden oft darüber, ob eine Community langfristig bestehen kann - unabhängig davon, welche Features heute verfügbar sind.

Im Folgenden (die Reihenfolge ist nicht als Wertung zu verstehen) habe ich mir einige Discord alternativen angesehen.

Mumble - Die langlebige Voice Lösung

Wenn Sprachkommunikation im Mittelpunkt steht, bleibt Mumble eine der sichersten Optionen überhaupt.

Mumble ist Open Source, vollständig selbst hostbar und seit vielen Jahren etabliert. Die Software wird weiterhin aktiv gepflegt und hat eine bemerkenswert lange Geschichte in der Gaming-Szene.

Kernpunkte:

  • Vollständig selbst hostbar
  • Open Source
  • Bewährte und stabile Technologie
  • Sehr geringe Latenz
  • Unabhängig von einem zentralen Anbieter
  • Fokus auf Voice statt Community-Management
  • Kaum moderne Social-Features
  • Kein echter Discord-Ersatz für Text-Communities

Wer einfach eine Voice-Infrastruktur sucht, die wahrscheinlich auch in zehn Jahren noch funktioniert, macht mit Mumble wenig falsch.

TeamSpeak - Der Klassiker

Für viele ältere Gamer war TeamSpeak lange der Standard vor Discord.

Auch heute bietet TeamSpeak eine robuste Voice-Plattform mit eigener Server-Infrastruktur und einer starken Ausrichtung auf Gaming-Communities.

Kernpunkte:

  • Ausgereifte Voice-Technologie
  • Selbst gehostete Server möglich
  • Große Bekanntheit im Gaming-Bereich
  • Jahrzehntelange Historie
  • Proprietäre Software
  • Weniger moderne Community-Funktionen
  • Abhängigkeit vom Hersteller für Clients und Lizenzmodell

TeamSpeak existiert seit über zwei Jahrzehnten. Das macht es zu einer der sichersten Optionen für Communities, die Stabilität über Innovation stellen.

Stoat (ehemals Revolt) - Der spannendste Discord-Klon

Wer nach einer möglichst Discord-ähnlichen Open-Source-Lösung sucht, landet aktuell fast zwangsläufig bei Stoat, dem Nachfolger des Projekts Revolt.

Die Plattform verfolgt das Ziel, viele der Funktionen von Discord in einer offenen und selbst hostbaren Umgebung bereitzustellen.

Kernpunkte:

  • Open Source
  • Selbst hostbar
  • Discord-ähnliche Bedienung
  • Noch schnelle Entwicklung
  • Verglichen mit den Alternativen noch jung
  • Kleineres Ökosystem
  • Langfristige Zukunft noch nicht vollständig bewiesen

Für Administratoren, die bereit sind, selbst zu hosten und gelegentlich Hand anzulegen, ist Stoat aktuell wahrscheinlich die Alternative zu Discord, welche sich „wie Discord“ anfühlt.

Matrix - Das offene Kommunikationsnetzwerk

Matrix ist keine einzelne Anwendung, sondern ein offenes Kommunikationsprotokoll. Clients wie Element ermöglichen Text-, Sprach- und Video-Kommunikation ähnlich wie moderne Messenger und Community-Plattformen.

Der große Unterschied: Es gibt keinen zentralen Anbieter. Communities können eigene Server betreiben und trotzdem mit anderen Matrix-Servern kommunizieren.

Kernpunkte:

  • Keine zentrale Plattformabhängigkeit
  • Open Source
  • Selbst hostbar
  • Große Flexibilität
  • Föderiertes Netzwerk (optional)
  • Höhere technische Komplexität
  • Nicht primär für Gaming entwickelt
  • Voice- und Community-Erlebnis nicht so ausgereift wie Discord

Matrix ist eine Option für Communities, die Unabhängigkeit und maximale Sicherheit suchen. Allerdings ist die Einstiegshürde deutlich höher als bei klassischen Gaming-Voice-Lösungen.

Nur weil jedes Discord Feature nachgebaut werden „kann“, wird es dann doch nicht gemacht. Zwar ist das Protokoll offen, eine tatsächliche Implementierung dieses Protokolls in eine ausgereifte Nutzererfahrung haben bisher wenige geschafft.

Steam Chat - Bequem, aber wenig kontrollierbar

Valve bietet mit Steam Chat bereits viele Funktionen, die kleine Communities benötigen: Gruppen, Voice-Channels, Einladungslinks und die direkte Integration in die bestehende Steam-Nutzerbasis.

Kernpunkte:

  • Keine zusätzliche Registrierung für Steam-Nutzer
  • Gute Integration ins Gaming-Ökosystem
  • Stabiler Anbieter
  • Begrenzte Community-Funktionen
  • Volle Abhängigkeit von Valve

Steam selbst wird vermutlich nicht verschwinden. Trotzdem bleibt die Community vollständig von den Entscheidungen Valves abhängig.

IRC mit modernen Frontends und Jitsi - Der unterschätzte Dauerläufer

Viele denken bei IRC an Terminalfenster, kryptische Befehle und Software aus den frühen Tagen des Internets. Tatsächlich hat sich das Ökosystem in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt.

Mit modernen Frontends wie KiwiIRC oder The Lounge lässt sich IRC heute bequem über den Browser nutzen. Mobile Geräte werden unterstützt, Chats können dauerhaft verbunden bleiben und die Benutzeroberflächen wirken deutlich zeitgemäßer als viele Nutzer erwarten würden.

Besonders interessant: Für KiwiIRC existiert ein Konferenz-Plugin, das Jitsi Meet direkt in IRC-Channels integriert. Dadurch sind Audio- und Videokonferenzen möglich, ohne auf eine separate Plattform wie Discord wechseln zu müssen. Nutzer können weiterhin in ihren IRC-Räumen bleiben und gleichzeitig Sprach- oder Videochats nutzen. Damit lassen sich viele moderne Community-Anforderungen überraschend gut abdecken.

Kernpunkte:

  • Extrem langlebiges und offenes Protokoll
  • Keine Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter
  • Moderne Browser-Frontends verfügbar
  • Sehr geringe Infrastrukturkosten
  • Höhere technische Einstiegshürde als Discord
  • Community-Funktionen müssen teilweise kombiniert werden

IRC ist vermutlich die am meisten unterschätzte Option in diesem Vergleich. Während viele moderne Discord-Klone erst beweisen müssen, dass sie in fünf Jahren noch existieren, hat IRC bereits mehrere Jahrzehnte überlebt. Mit modernen Frontends und Jitsi-Integration kann eine IRC-basierte Community heute deutlich näher an das Discord-Erlebnis heranrücken, als viele vermuten würden.  

Fazit

Es gibt derzeit noch Plattformen, welche Discord nicht vollständig vom Markt drängen konnte.

Darunter Fallen:

  • TeamSpeak
  • Matrix (wenn nicht selbst gehostet)
  • Steam Chat

Eine etablierte Community von Discord umzuziehen und damit potenziell zu „zerreißen“ ist allerdings ein Schritt, welchen wir, und viele andere Community leader, stark abwiegen müssen.

Nicht nur die Funktionsparität sondern auch Umzugsaufwände und Benutzerfreundlichkeit „sieht nicht wie das aus, was ich kenne“ sind Gründe, weshalb es sich derzeit einfacher anfühlt auf Discord zu bleiben.

Denn die Suche nach einer Discord-Alternative führt oft zu einer ernüchternden Erkenntnis: Wenn man einfach nur “Discord, aber ohne Discord” möchte, gibt es aktuell keine Lösung, die alle Anforderungen gleichzeitig erfüllt.

Wer keinen eigenen Server betreiben und sich nicht mit Technik beschäftigen möchte, wird meist bei proprietären Plattformen landen und ähnliche Abhängigkeiten wie bei Discord akzeptieren müssen.

Selbst gehostete Alternativen

Wer bereit ist, selbst zu hosten und etwas Zeit in die Administration zu investieren, findet durchaus interessante Alternativen:

  • Stoat
  • Mumble
  • Matrix (selbst gehosted)
  • IRC + Jitsi

Für Communities allgemein gehört Matrix (genauer gesagt eine Server/Client Kombination wie Synapse/Element X) zweifellos zu den interessantesten Alternativen zu Discord. Die Plattform kombiniert Offenheit, Föderation und Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern auf eine Weise, die nur wenige andere Lösungen bieten. Wer moderne Community-Funktionen sucht und gleichzeitig die Kontrolle über die eigene Infrastruktur behalten möchte, sollte Matrix definitiv in die engere Auswahl nehmen.

Diese Freiheit hat ihren Preis. Matrix ist zugleich eine der komplexesten Lösungen in diesem Vergleich. Einrichtung, Betrieb und Wartung erfordern deutlich mehr technisches Verständnis als bei Discord oder vielen Alternativen. Wer lediglich einen unkomplizierten Discord-Ersatz sucht, wird hier vermutlich nicht glücklich.

Wer hingegen bereit ist, Zeit in den Aufbau seiner Community-Infrastruktur zu investieren, erhält mit Matrix eine moderne und sichere Plattform. Gerade für Communities, der Wert auf Offenheit und digitale Souveränität legen, ist das ein überzeugendes Argument.

Trotzdem würde ich Matrix nicht als die ideale Lösung für jede Gaming-Community bezeichnen. Die technische Komplexität, die teilweise noch unausgereifte Nutzererfahrung im Vergleich zu Discord und der höhere Verwaltungsaufwand sorgen dafür, dass Matrix zwar eine starke Option ist, aber nicht zwangsläufig die naheliegendste Wahl.

Überraschenderweise möchte ich deshalb heute einen anderen Kandidaten als spannendste Langzeitlösung hervorheben: IRC. Während Matrix noch beweisen muss, dass es auch in mehreren Jahrzehnten dieselbe Relevanz und Beständigkeit behalten kann, hat IRC diesen Nachweis bereits erbracht. Das Protokoll existiert seit den späten 1980er Jahren und hat zahlreiche Generationen von Kommunikationsplattformen überlebt. Es gehört keinem Unternehmen, benötigt keine Investoren und ist nicht von einem zentralen Dienst abhängig.

Mit modernen Frontends wie „KiwiIRC“ oder „The Lounge“ sowie der Möglichkeit, Jitsi Meet für Sprach- und Videokonferenzen zu integrieren, ist IRC heute zudem deutlich leistungsfähiger in Komfortfunktionen und Benutzerfreundlichkeit, als sein Ruf vermuten lässt.

Genau deshalb ist IRC für mich der vielleicht unscheinbarste, aber zugleich interessanteste Kandidat in diesem Vergleich.

Abschließende Notizen

Die Recherche fokussiert sich auf Alternativen, welche in Funktionsparität und Nutzererfahrung and Discord herankommen. Sie basiert auf Diskussionen, welche Community-Kommunikations Optionen für Gamerlicious interessannt sein können.

Ihr findet uns noch auf https://glicio.us/discord. Das ist vermutlich das aussagekräftigste Fazit.

Die Aufstellung wurde zuletzt im Juni 2026 aktualisiert, wenngleich Plattformen mit Langlebigkeit präferiert wurden, können sich Details jederzeit ändern. Ich empfehle diese Information als Ausgangspunkt für eigene Recherche zu nutzen.

Von Samuel